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12.10.2012

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Zweite Gastarbeiter-Welle nach 1960?

Edda Schmidt

(Hechingen) So titelt eine südwestdeutsche Tageszeitung einen Artikel, in dem über eine Infoveranstaltung einer regionalen Handwerkskammer berichtet wird.
Nach Einschätzung des Handwerkskammer wird es immer schwieriger, genügend Bewerber für die Ausbildung zu Handwerksberufen wie Maurer, Maler, Fliesenleger oder Schreiner zu finden, während die kaufmännischen Berufe begehrt sind. Um dem gegenzusteuern, schlägt man den Zuzug spanischer Jugendlicher vor. Denn laut Miguel Montero-Lange von der spanischen Botschaft in Berlin liegt in Spanien die Arbeitslosenquote bei 25 %, bei den Jugendlichen ist die Hälfte arbeitslos. 70 % der Arbeitslosen wären bereit, ins Ausland zu ziehen, 25 % von ihnen würden gern nach Deutschland kommen. 2011 kamen 3066 Spanier in die Bundesrepublik, vor allem nach Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin und Baden-Württemberg.
Der Reutlinger Chef der Arbeitsagentur meint, dass es gute Angebote zum Erlernen der deutschen Sprache für solche Zuwanderer gäbe, will aber die 2,7 Millionen arbeitsloser Deutscher wenigstens „nicht aus den Augen verlieren“. Für die Ausländer verlangt er, dass die Arbeitgeber neben einem Arbeitsvertrag und einer „Willkommenskultur“ auch ein Stück Heimat bieten.
Immerhin scheint es nicht einfach zu sein, Arbeitnehmer in Spanien und Firmen in der BRD zusammenzubringen, trotz der Freizügigkeit in der EU. Es sieht zur Zeit wohl so aus, dass von 250 Interessenten 10 Bewerber vermittelt werden. Das soll über Städtepartnerschaften, Vereine und private Bekanntschaften verbessert werden.
Von den 9000 ausbildungsberechtigten Handwerksbetrieben im Bereich dieser Handwerkskammer würden 251 Betriebe Fachkräfte aus Spanien einstellen. 125 von ihnen fordern allerdings ausreichende Kenntnisse in der deutschen Sprache. Aber 47 Betriebe würden auch junge Spanier einstellen, die kein Deutsch können. Wie das dann aussieht, weiß ich aus Berichten eines Bekannten, in dessen Betrieb Polen ohne Deutschkenntnisse arbeiten - zwar mit einem Dolmetscher, aber man kann sich unschwer vorstellen, dass es dabei nicht nur zu erheblichen Verzögerungen im Arbeitsablauf kommt, sondern auch zu Fehlern, die dann die Deutschen wieder korrigieren dürfen...
Da es Fachkräftemangel in zunehmendem Maße auch in der Altenpflege und Pflegeeinrichtungen gibt, überlegt man sich seit einiger Zeit, Arbeitslose hier einzusetzen. Außer Acht gelassen wird dabei, dass solche Kräfte über Kenntnisse verfügen müssen, die viele Arbeitslose überfordern. Der Umgang mit alten und kranken Menschen erfordert auch viel Einfühlungsvermögen und Bereitschaft, auf diese Menschen und ihre speziellen Bedürfnisse einzugehen. Das ist nicht jedermanns Sache.
Wäre es da nicht besser, diese dafür vorgesehenen Arbeitslosen in Handwerksberufen einzusetzen statt Spanier herzuholen? Wir sind gerade in Spanien gewesen und konnten uns ein Bild machen von der spanischen Arbeitswelt, von der wir vielfach den Eindruck gewannen, dass es nach dem Motto „Komm ich nicht heute, komm ich morgen“ geht und die südländische Mentalität unterschiedlich zur deutschen, vor allem der schwäbischen Arbeitsauffassung „Schaffe, spare, Häusle baue“ ist.
Ich halte es grundsätzlich für falsch, Menschen aus ihrer Heimat zu reißen und zu entwurzeln, was in jedem Fall auch zu psychischen Problemen führen kann, womit man den Betroffenen persönlichen Schaden zufügt.
Edda Schmidt
Mitglied im Landesvorstand
Landesvorsitzende des RNF

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